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Die Bedeutung des Arbeitszeugnisses
Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiges Dokument für Ihre berufliche Zukunft. Es dokumentiert Ihre Leistungen und Ihr Verhalten im vorherigen Unternehmen und dient potentiellen neuen Arbeitgebern als Entscheidungshilfe. Doch die Formulierungen im Zeugnis sind oft verklausuliert und folgen einer eigenen Geheimsprache. Um das Zeugnis richtig zu interpretieren, ist es daher wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen.
Der Aufbau eines Arbeitszeugnisses
Ein vollständiges Arbeitszeugnis gliedert sich in der Regel in folgende Abschnitte:
- Überschrift: Arbeitszeugnis oder qualifiziertes Arbeitszeugnis
- Einleitung: Angaben zur Person und zum Beschäftigungszeitraum
- Tätigkeitsbeschreibung: Aufgaben und Verantwortlichkeiten
- Leistungsbeurteilung: Bewertung der Arbeitsleistung und Fachkenntnisse
- Verhaltensbeurteilung: Bewertung des Sozialverhaltens gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden
- Schlussformel: Bedankung, Bedauern über das Ausscheiden und Zukunftswünsche
- Datum und Unterschrift: des Arbeitgebers
Die Geheimsprache der Arbeitszeugnisse
Die Beurteilung im Arbeitszeugnis erfolgt häufig in verschlüsselter Form. Dabei werden scheinbar positive Formulierungen verwendet, die bei genauerer Betrachtung eine negative Bedeutung haben. Dieses „Zeugnisdeutsch“ ist durch die Rechtsprechung geprägt und soll es ermöglichen, ehrliche Bewertungen abzugeben, ohne den Arbeitnehmer direkt zu verunglimpfen.
Die Leistungsbeurteilung entschlüsseln
| Formulierung | Bedeutung |
|---|---|
| „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Note 1 (sehr gut) |
| „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Note 1 (sehr gut) |
| „zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Note 2 (gut) |
| „zu unserer Zufriedenheit“ | Note 3 (befriedigend) |
| „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ | Note 4 (ausreichend) |
| „hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“ | Note 5 (mangelhaft) |
| „Wir wünschen Frau/Herrn X für die Zukunft alles Gute.“ | Note 6 (ungenügend) |
Neben diesen Standardformulierungen gibt es zahlreiche weitere, die auf die jeweilige Tätigkeit angepasst sind. Achten Sie dabei besonders auf verstärkende oder abschwächende Zusätze.
Die Verhaltensbeurteilung entschlüsseln
Ähnlich wie bei der Leistungsbeurteilung gibt es auch für die Verhaltensbeurteilung typische Formulierungen, die auf den ersten Blick positiv wirken, aber versteckte Kritik enthalten können.
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| Formulierung | Bedeutung |
|---|---|
| „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei.“ | Note 1 (sehr gut) |
| „Er/Sie war bei Vorgesetzten, Kollegen und Kunden stets beliebt.“ | Note 2 (gut) |
| „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets korrekt.“ | Note 3 (befriedigend) |
| „Er/Sie bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden.“ | Note 4 (ausreichend) |
| „Er/Sie verhielt sich zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden stets höflich.“ | Note 5 (mangelhaft) |
Beispiele aus der Rechtsprechung
Die Rechtsprechung hat in zahlreichen Fällen die Bedeutung von Zeugnisformulierungen konkretisiert. So hat das Bundesarbeitsgericht beispielsweise entschieden, dass die Formulierung „Er hat sich bemüht…“ eine mangelhafte Leistung zum Ausdruck bringt (BAG, Urteil vom 17.12.1985 – 3 AZR 393/84).
Was tun bei einem schlechten Zeugnis?
Sind Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis nicht zufrieden, haben Sie Anspruch auf Berichtigung. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber an und begründen Sie, warum Sie die Formulierungen für unzutreffend halten. Hilft dies nicht, können Sie sich an das Arbeitsgericht wenden.
Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis
Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Dieses muss neben der Tätigkeitsbeschreibung auch eine Bewertung der Leistung und des Verhaltens enthalten. Ein einfaches Zeugnis, das nur Angaben zur Beschäftigungsdauer und -art enthält, ist nicht ausreichend.
Die Formulierung des Zeugnisses
Der Arbeitgeber ist bei der Formulierung des Zeugnisses an bestimmte Grundsätze gebunden. Das Zeugnis muss wahr, wohlwollend und vollständig sein. Das Wohlwollensprinzip besagt, dass das Zeugnis so formuliert sein muss, dass es die berufliche Weiterentwicklung des Arbeitnehmers nicht unverhältnismäßig erschwert.
Wichtige Tipps zum Arbeitszeugnis
Hier noch einige wichtige Tipps zum Schluss:
- Prüfen Sie Ihr Zeugnis sorgfältig! Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie das Zeugnis genau durch. Achten Sie auf versteckte negative Formulierungen.
- Holen Sie sich Rat! Sind Sie unsicher über die Bedeutung einzelner Formulierungen, lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten.
- Bestehen Sie auf Ihrem Recht! Haben Sie Anspruch auf ein besseres Zeugnis, scheuen Sie sich nicht, Ihren Arbeitgeber darauf anzusprechen.
Zusätzliche Hinweise
Neben den oben genannten Punkten gibt es noch einige weitere Aspekte, die bei der Entschlüsselung eines Arbeitszeugnisses relevant sein können:
- Lücken im Zeugnis: Fehlen wichtige Aspekte Ihrer Tätigkeit oder Leistungen, kann dies ein Hinweis auf eine negative Bewertung sein.
- Reihenfolge der Bewertung: Wird die Verhaltensbeurteilung vor der Leistungsbeurteilung erwähnt, kann dies ebenfalls negativ gewertet werden.
- Übertrieben positive Formulierungen: Manchmal werden auch übertrieben positive Formulierungen verwendet, um negative Aspekte zu verschleiern. Seien Sie auch hier aufmerksam.

